PENNNIE NEUSTADT

Zwischen Realität und Fiktion

-PENNNIE NEUSTADT-

Dies ist ein kleiner Einblick in die Welt von FRAU NEUSTADT. Seit über einem Jahrzehnt arbeitet die Künstlerin an einer skulpturalen Autofiktion, in welcher der Fokus auf dem Umgang mit Objekten, vor allem Spielzeug liegt.

Neon, Neon, Spielzeug, PINK, Puppe, Puppe, Kopf, NEON, Barbie, Puppe, Körper – STOP!  Einzeln, du, kollektiv, ich, ALLE, ich, wir, du, ich – niemand?
Hinsehen, verstehen, hinsehen, lachen, lachen, hinsehen, weinen, verstehen – gehen.

PENNNIE NEUSTADT neben Eine Feministische Situation (Einblick in PIP
PENNNIE NEUSTADT neben Eine Feministische Situation (Einblick in PIP", 200 x 155 x 55 cm, Assemblagen, gefundene Objekte, Plüsch, Satin, 2021, Rathaus Stadt Offenbach. ©Lorraine Etimiri

Der Name PENNNIE NEUSTADT entstand vor wenigen Jahren und  findet seinen Ursprung zum einen, in einem aus der Jugend stammenden Tagebucheintrag der Künstlerin: 

„Wenn ich gar nicht mehr schlafe und nur noch wach bin, dann bin ich PENNNIE - denn dann penne ich nie.“[1]

PENNNIE – „penne nie“. Es ist eine ständige Erinnerung daran, immer wachsam zu sein und auf das Umfeld acht zu geben. In jeder Situation steckt tendenziell die Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken, das als Komponente ihrer Arbeit genutzt werden kann. Zum anderen ist NEUSTADT ein Stadtteil in ihrer Heimatstadt Halle (Saale).[2] „Neustädte sind oft Vororte einer Stadt oder Stadtteile je nachdem, es gibt ja viele Neustädte und so ist es als würde PENNNIE immer an einer neuen Stadt bauen oder an einer Welt. So ist es irgendwie wie Arbeiten an einem eigenen Kosmos oder einem Stadtstaat.“[3]

Der Umgang sowohl mit gefundenem oder geschenktem Spielzeug als auch mit anderen Objekten spielt in den Arbeiten von PENNNIE NEUSTADT eine zentrale Rolle. Dabei liegt ihr Augenmerk auf geschlechtsspezifischen, weiblich* gelesenen Gegenständen, welche über ein Zusammenspiel aus Farbe, Polyurethan, Bauschaum und weiteren Materialien zu Assemblagen, Skulpturen und Collagen werden. 
Jede dieser Figuren ist ein*e eigene*r Protagonist*in mit individueller Aufgabe innerhalb des Stadtstaates, den FRAU NEUSTADT PRINZESSIN IM PARK (PIP) nennt.[4]
Häufig verwendete Objekte in den ausgearbeiteten Figuren stellen Barbies oder Puppen dar, manchmal nur die Körper, ein anderes Mal hingegen ausschließlich Köpfe. Allgemein sind Puppen für die Künstlerin eine interessante Komponente ihrer Arbeit, deren Vorgeschichte aber auch die komplett verschiedene Emotionen, von Ablehnung bis zur innigen Liebe, welche sie bei Menschen hervorrufen können.[5]

PENNNIE NEUSTADT, Rainbow Flying Machine, 2014-2018, Reebok Freestyle Hi 25th Anniversary Aerobic-Sneaker, Furby aus Kunststoff, Haarband aus Samt mit Draht von Annique, verzinkte Schrauben, Reiszwecken, Bonbon, Acryl-Marker, Kabelbinder, Papier, 20,5 x 28 x 16,5 cm, Artist Collection. ©Saeedeh Sharifi
PENNNIE NEUSTADT, Rainbow Flying Machine, 2014-2018, Reebok Freestyle Hi 25th Anniversary Aerobic-Sneaker, Furby aus Kunststoff, Haarband aus Samt mit Draht von Annique, verzinkte Schrauben, Reiszwecken, Bonbon, Acryl-Marker, Kabelbinder, Papier, 20,5 x 28 x 16,5 cm, Artist Collection. ©Saeedeh Sharifi
PENNTE NEUSTADT, Eine Feministische Situation (Einblick in PIP), 200 x 155 x 55 cm, Assemblagen, gefundene Objekte, Plüsch, Satin, 2021, Rathaus Stadt Offenbach. ©Cecilia Schaaf
PENNTE NEUSTADT, Eine Feministische Situation (Einblick in PIP), 200 x 155 x 55 cm, Assemblagen, gefundene Objekte, Plüsch, Satin, 2021, Rathaus Stadt Offenbach. ©Cecilia Schaaf

In monumentalen Installationen treten die Protagonist*innen aus PIP in Dialog zueinander. PENNNIE NEUSTADT kreiert so einen Raum, indem sie ihre eigene Bildsprache entfalten können.[6]

Ein Beispiel dafür ist die Installation eine feministische Situation, welche in einer Vitrine des Offenbacher Rathauses anlässlich des diesjährigen Weltfrauentags für eine Woche gezeigt wurde. Dies geschah im Rahmen der Ausstellung Frauen* | Kunst | Raum, welche vom Frauenbüro Offenbach kuratiert wurde und auch das Konzept eines feministischen Spaziergangs durch die Stadt Offenbach umfasste.[7]

„Es ist wie eine Momentaufnahme, als wäre es alles ein Film und eine Installation davon ist dann wie ein Still.“ [8]

PENNNIE NEUSTADT definiert sich nicht persé als feministisch. Vielmehr ist es möglich, durch die vielen eigenständigen Protagonist*innen des Stadtstaates eine Situation zu erzeugen, die von den Rezipient*innen auf individuelle Weise gelesen werden kann - in diesem Fall als Perspektive auf das Thema Feminismus.[9] Dies spiegelt sowohl die zentrale Rolle der Barbie innerhalb der Installation wider, als auch die der Frauen* und Mädchen* zugeschriebene Farbgebung, das aus Modeschmuck bestehende Zepter sowie das „Kleid“ der Vitrine, welches an ein Strumpfband erinnert. Die Barbies werden beispielsweise innerhalb der Installation als Konfrontation mit dem gewünschten Stereotyp der Frau in der Gesellschaft genutzt. Der immer freundliche, lächelnde Gesichtsausdruck, die ewig langen, blonden Haare sowie die ausschließlich in High Heels passenden Füße, sind keine allgemeingültigen Eigenschaften einer Frau*. Das damit einhergehende Schönheitsideal wird jedoch schon Mädchen* im Kindesalter durch das Spielen mit Barbies vermittelt.[10] Die Arbeiten von PENNNIE NEUSTADT verdeutlichen den gesellschaftlichen Druck und die Erwartungshaltung, mit denen Frauen* auch heute noch umgehen müssen.

PENNNIE NEUSTADT, Girls don’t cry (Perfect Body), 39 x 12 x 35 cm, High-Heel in „Übergröße“, Barbie-Körper, Polyurethan, Sticker, Klebefolie, 2018, Artist Collection. ©Saeedeh Sharifi
PENNNIE NEUSTADT, Girls don’t cry (KeepOnSmiling), 25 x 28 x 13 cm, Barbie-Köpfe mit blondem, glattem Haar, Barbie Interieur, Polyurethan, Acryl, 2018, Artist Collection. ©Saeedeh Sharifi

FRAU NEUSTADT befasst sich in ihrer Installation mit weiblich* konnotierten Objekten und Farben. Dabei äußert sie eine Kritik an das bis heute betriebene Marketing mit den Farben rosa zu blau, an die Schönheitsnormen und das Frau*sein.[11] In PRINZESSIN IM PARK ist dies jedoch nicht das einzige Thema, mit welchem sie sich auseinandersetzt. In ihren kommenden Ausstellungen 2021 besteht die Chance, weitere Einblicke in die Perspektiven von PENNNIE NEUSTADT auf unsere Gesellschaft und das Dasein zu erhalten. Dies ist unter anderem im Juni im Rahmen von Kunstansichten – Tag der offenen Ateliers in Offenbach möglich sowie in der Ausstellung Invasions im EDEN.ev in Köln-Kalk.[12]

Um keine Termine zu verpassen und ihre Arbeiten zu verfolgen, schaut gerne mal auf Instagram vorbei. Dort findet Ihr sie unter @pennnie4life oder Ihr klickt direkt hier unten auf den Button.

[1] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 2:24 - 2:38, 07.03.21, Köln

[2] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 0:00 - 3:25, 07.03.21, Köln

[3] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 3:25 - 3:46, 07.03.21, Köln

[4] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 4:24 - 5:22, 07.03.21, Köln

[5] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 7:39 - 8:43, 07.03.21, Köln

[6] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 5:36 - 7:40, 07.03.21, Köln

[7] letzer Zugriff 21.03.21: https://www.offenbach.de/leben-in-of/familie_soziales/frauen_und_maedchen/frauenbuero/Veranstaltungen_/frauenkunsttage-werkinfos-und-o-toene.php#c6

[8] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 5:49 - 5:54, 07.03.21, Köln

[9] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 6:27 - 7:35, 07.03.21, Köln

[10] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 8:44 - 13:04, 07.03.21, Köln

[11] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 15:39 - 16:08, 07.03.21, Köln

[12] Private Interviewaufnahme mit PENNNIE NEUSTADT, min. 17:44 - 18:54, 07.03.21, Köln

Der Beitrag sowie sämtliche Zitate beruhen auf einem Interview mit der Künstlerin im März 2021

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