Judith Leyster

Judith Leyster *1609 †1660

Die Niederlande des Goldenen Zeitalters – eine männerbeherrschte Domäne? Judith Leyster hat es als eine der wenigen Frauen dieser Zeit geschafft, sich als Künstlerin einen Namen zu machen. Nach dem sie Jahrhunderte lang in Vergessenheit geraten war, tauchte sie vor knapp 130 Jahren wieder im Sichtfeld der Forschung auf. Sich näher mit ihrem Werk auseinanderzusetzen bringt uns zu der spannenden Frage: Gab es schon feministische Kunst im 17. Jahrhundert?

Text von Sophie Smoch

Abb. 1 Judith Leyster, Selbstportrait, zw. 1630 & 1633, Öl auf Leinwand, 74,6 × 65,1 cm, Washington D.C., National Gallery of Art

Die ersten Jahre

Judith Leyster war eine niederländische Malerin des Barock. Sie wurde 1609 in Haarlem als Tochter eines Tuchmachers, Geschäftsmanns und Besitzers einer Brauerei geboren. Leyster wuchs in einer wohlhabenden privilegierten Familie auf, bis die Brauerei ihres Vaters 1625 Bankrott ging. Womöglich begann sie ihre Ausbildung zur Künstlerin, um die Familie finanziell unterstützen zu können.[1]

Es ist nicht gesichert, bei wem Leyster ihre Ausbildung machte. Häufig werden die niederländischen Maler Pieter Fransz de Grebber und Frans Hals als Lehrmeister diskutiert. Letztendlich sind jedoch keine schriftlichen Quellen über-liefert, die eine von beiden bestätigen könnten.[2]

Bereits 1628 – mit gerade einmal 19 Jahren – wurde Leyster in der Chronik ihrer Geburtsstadt Haarlem von Samuel Ampzing als Künstlerin erwähnt. Im selben Jahr zog sie mit ihrer Familie nach Vreeland in der Nähe von Utrecht. Hier kam sie möglicherweise in Kontakt zu den Utrechter Caravaggisten, die ihre frühen Arbeiten maßgeblich prägten.[3] Als sogenannte Caravaggisten versteht man Künstlergruppierungen, die vom italienischen Künstler Caravaggio inspiriert wurden und deren Werke sich durch den Gebrauch von starken Hell-Dunkel-Kontrasten (auch Chiaroscuro genannt) auszeichnen.[4]

Von Künstlerkreisen und Streitigkeiten

1633 wurde Leyster, die mittlerweile wieder in Haarlem lebte, Mitglied in der lokalen St. Lukas Gilde, einem zunftähnlichen Zusammenschluss von Künstler:innen. Sie war vermutlich die erste und nur eine von sehr wenigen Frauen, der diese Ehre zuteilwurde. Mit der Mitgliedschaft in der Gilde erhielt sie einige besondere Privilegien, u.a. die Erlaubnis eine Werkstatt mit drei Schülern zu eröffnen, was sie ein Jahr später auch tat.[5]

Während ihrer Lehrzeit ereignete sich ein bemerkenswerter Vorfall mit Frans Hals, mit dem sie eine enge Freundschaft verband: Hals warb einen von Leysters Schülern ab. Nachdem es zu einer Verhandlung vor der Gilde kam, wurde Hals mit einem Bußgeld bestraft. Dieser unterrichtete bereits drei Schüler und die St. Lukasgilde erlaubte ihren Meister:innen nur bis zu drei Hilfskräfte. Die eingeschränkte Anzahl an Auszubildenden sollte es den Meister:innen ermöglichen, alle Arbeiten zu überwachen und damit die Qualität der Werkstatt zu sichern. Hals Abwerbung des Schülers war nicht nur anmaßend und widersprach den Regeln der Gilde; der plötzliche Verlust einer Hilfskraft und damit einer Einnahmequelle, hätte vor allem Leysters Geschäft beenden können. [6]

Über das Eheleben... und die Sache mit Rembrandt

Leyster heiratete 1636 den Maler Jan Miense Molenaer. Nach ihrer Hochzeit malte sie nur noch sehr wenig. Stattdessen kümmerte sie sich wohl um die Kinder sowie den Haushalt und managte die Karriere ihres Mannes. Auch wenn es nahe liegt, dass Leyster zusammen mit ihrem Mann in dessen Werkstatt an Bildern arbeitete – schließlich war sie selbst eine ausgebildete Künstlerin – gibt es hierfür keine Nachweise.[7]

Leyster und Molenaer zogen nach ihrer Hochzeit von Haarlem nach Amsterdam. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die beiden hier Mitglieder in der lokalen St. Lukas Gilde wurden, trotzdem pflegten sie wohl einen engen Kontakt zu der hiesigen Kunstszene, u.a. zu den Malern Jan Lievens, Pieter Codde und Carel Fabritius.[8] Nicht nachweisbar ist allerdings ein Kontakt zu Rembrandt: Der Kunsthistoriker Dr. Robert Dangers stellte 1928 die These auf, Leyster sei die Geliebte des Künstlers und sogar die eigentliche Urheberin von über 30 seiner Werke gewesen.[9] Dangers will auf Werken wie Die Anatomie des Dr. Tulp (1632) oder Rembrandts Selbstportrait mit Saskia (um 1636) Leysters Signatur entdeckt haben. Eine haltlose Behauptung. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei nur um den Versuch, Leyster mit einem berühmten und einflussreichen Künstler in Verbindung zu bringen.[10]

Abb. 2 Jan Miense Molenaer, Das Duett: Selbstportrait mit Ehefrau Judith Leyster, ca. 1636, Öl auf Leinwand, 42,2 x 51,4 cm, Privatsammlung

Aus dem Schatten zurück ins Licht

Judith Leyster starb 1660 im Alter von gerade einmal 50 Jahren.[11] Nach ihrem Tod geriet sie schnell in Vergessenheit, ein Schicksal, das viele ihrer Kolleginnen teilen. Leyster findet in den Jahrhunderten nach ihrem Tod keine Erwähnung mehr, weil ihre Werke zunächst anderen Künstlern zugeschrieben wurden[12] – obwohl sie schon früh begann, ihre Bilder mit einer charakteristischen Signatur zu versehen: ihre Initialen JL sowie ein Stern, da ihr Nachname „Leyster“ so viel wie Leitstern bedeutet (Vgl. Abb. 3).[13]

Erst ab 1893 tauchte Leyster wieder im Sichtfeld der Forschung auf und das auch eher zufällig: Als der Louvre ein Bild von Frans Hals kaufte, stellte sich bei näherer Untersuchung heraus, dass es sich hierbei um ein Werk von Leyster handelte – ihre Signatur war einfach übermalt worden.[14] Mittlerweile wurden viele ihrer Bilder wieder der richtigen Urheberin zugeschrieben. Ihr Gesamtwerk beträgt zwischen 30 [15] und 50 [16] Werken. Die Anzahl der Bilder klafft dermaßen auseinander, da in der Forschung bei der Zuschreibung einiger Werke immer noch große Unsicherheit herrscht: stammen die Gemälde von Judith Leyster selbst? Oder wurden sie von ihrem engen Freund Frans Hals oder ihrem Ehemann Jan Miense Molenaer gemalt?

Ein Beispiel für ein Gemälde mit unsicherer Zuschreibung ist Junger Mann mit Katze von 1635 (Vgl. Abb. 4). 1989 hat die Kunsthistorikerin Frima Fox Hofrichter das Gemälde noch Leyster zugeschrieben.[17] Ende der 1990er wurde das Gemälde dann aber von Bernhard Schnackenburg, dem damaligen Leiter der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel, Frans Hals zugesprochen. Die „unruhige Modellierung des Gesichtes“[18] seien untypisch für Leyster.

Abb. 3 Detail: Leysters Signatur; Judith Leyster, Lustige Gesellschaft, 1630, Öl auf Leinwand, 68 x 55 cm, Paris, Louvre
Abb. 4 Frans Hals, Junger Mann mit Katze, 1635, Öl auf Eichenholz, 45,5 x 43 cm, Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister

Zum vielseitigen Werk einer fast vergessenen Künstlerin

Leyster ging in ihrer Kunst vielen verschiedenen Interessen nach und nutzte dabei sowohl unterschiedliche Medien als auch Größen und Motive. Ihre Spezialitäten waren Portraits und die Genremalerei, also Szenen des alltäglichen Lebens, meist einer Wohn- oder Arbeitssituation. Daneben sind auch einige botanische Zeichnungen, ein Stillleben und mindestens eine Radierung von ihr bekannt (Vgl. Abb. 5-8). Für Leysters Werke sind keine Vorzeichnungen bekannt. Untersuchungen ihrer Werke mithilfe von Röntgen- und Infrarotstrahlung zeigen, dass sie während des Schaffensprozesses immer wieder Veränderungen vorgenommen hat. Das legt nahe, dass sie die Komposition sowie die Kostümierung und Pose ihrer Figuren direkt auf der Leinwand erarbeitet hat. Beispielsweise zeigt eine Infrarotaufnahme ihres Selbstportraits von 1633, dass auf der Leinwand zuvor das Bild einer Frau zu sehen war – nicht wie heute ein lachender und musizierender Jüngling (Vgl. Abb. 9).[19]

Ihre Genrebilder zeichnen sich vor allem durch die Intimität der Szenen aus, meist nur von einer Kerze beleuchtet, so dass starke Hell-Dunkel-Kontraste entstehen.[20] Ein Beispiel dafür ist das Gemälde Das Tric-Trac Spiel von 1630 (Vgl. Abb. 10): nur eine kleine Lichtquelle erleuchtet den Spieltisch und die spielende Gesellschaft, der Rest des Raumes liegt im Dunkeln. Der Mann und die Frau in der rechten Bildhälfte haben den konzentrierten Blick auf das Spiel gerichtet, während der andere Mann in der linken Bildhälfte den Betrachtenden zugewandt ist, so als würde er sie zum Mitspielen auffordern.

Spielende, Trinkende oder musizierende Figuren sind ein häufiges Bildmotiv bei Judith Leyster. Daneben finden sich aber auch oftmals Kinder in ihren Werken wieder. Ihre Darstellung von Kindern unterscheidet sich von vielen Darstellungen der damaligen Zeit. Kinder wurden in früheren oder zeitgenössischen Werken häufig genutzt, um Erwachsenen-witze oder moralische Sprichwörter zu verbildlichen [21] und treten dabei meist eher als „Miniatur-Erwachsene“ auf.[22] Bei Leyster sind die dargestellten Kinder einfach nur Kinder: fröhlich, spitzbübisch, unschuldig.[23] Das zeigt sich zum Beispiel in dem Gemälde Mädchen mit Strohhut, gemalt zwischen 1630 und 1640 (Vgl. Abb. 11). Zu sehen ist ein junges Mädchen, dessen rundliches Gesicht von blonden Löckchen gerahmt wird. Sie ist zur rechten Bildhälfte geneigt und hat den Blick nachdenklich auf etwas gerichtet, dass außerhalb des Bildraumes liegt.

Sie trägt, wie der Titel schon verrät, einen Strohhut und ein gelb-weißes Gewand, die Kleidung einer Schäferin.[24] Zwar ist das Mädchen hier wie eine Erwachsene gekleidet, im Unterschied zu anderen zeitgenössischen Darstellungen von Schäferinnen (Vgl. Abb. 12) findet sich bei Leysters Werk jedoch kein erotischer Unterton.[25]

Ein anderes Beispiel ist Leysters Werk Zwei Kinder mit Katze von 1629 (Vgl. Abb. 13): eines der beiden Kinder füllt den größten Teil des Bildes aus. Es trägt eine orange-gelbe Jacke mit blauen Applikationen und einen leuchtend roten Hut mit einer langen Feder. Auf seinem linken Arm hält es eine Katze, in seiner rechten Hand möglicherweise eine Leckerei für das Tier. Hinter dem Kind steht ein jüngeres Kind, das lachend versucht, nach dem Tier zu greifen. Auch wenn die Katze sichtlich unzufrieden mit der Gesamtsituation ist, wird sie nicht von den Kindern gequält – eine weitere Abweichung von Werken anderer Künstler, in denen Tiere oftmals sehr viel grausamer von Kindern behandelt werden (Vgl. Abb. 14).[26]

In dieser fröhlichen, unbeschwerten Szene zeigt sich auch ein weiteres charakteristisches Element von Leysters Figuren-darstellung: der Blick von unten in das breit grinsende Gesicht der dargestellten Personen, die Augen teilweise stark nach oben gerollt.[27]

Feministische Kunst im 17. Jahrhundert?

Das Gemälde Das Angebot von 1631 (Vgl. Abb. 15) ist eines von Leysters bekannteren Werken. Auf dem Bild sieht man eine Frau, die konzentriert über ihre Näharbeit gebeugt ist. Sie nimmt einen Großteil des Bildraums ein. Die Frau ist sittsam gekleidet, nur Hände und Gesicht sind nicht von Stoff bedeckt. Unter ihrem riesig und massiv wirkendem Rock ist ein Fußwärmer zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Kiste, die mit Kohlen befüllt werden konnte und die zu dieser Zeit bei Frauen im Winter besonders beliebt war.[28] Links hinter ihr steht ein Mann mit Pelzmütze in einem schwarzen Gewand, der die Frau an der Schulter berührt und ihr mit seiner rechten Hand eine Handvoll Münzen hinhält. Auch diese Szenerie wird nur von einer einzigen Kerze beleuchtet, so dass die beiden Figuren riesige Schatten werfen. Bis auf einen Tisch und einen Stuhl ist der Raum leer. Dieses Werk von Leyster wird in der Forschung leidenschaftlich diskutiert: reicht der Mann der Frau Geld, um sie zu umwerben?[29] Als eine simple Geste der Zuneigung oder Unterstützung? Oder stecken unlautere Motive hinter seinem Angebot?[30]

Gehen wir vom letzteren Standpunkt aus, dass also der Mann der Frau Geld gegen sexuelle Gefälligkeiten anbietet, handelt es sich um eine für die Zeit sehr ungewöhnliche Darstellung des Themas. Prostitution, Bordellszenen und Kuppler:innen (heute würde man wohl Zuhälter:in sagen) waren gebräuchliche und beliebte Themen, oftmals mit einer moralischen Botschaft verbunden.[31] Allerdings wurde die Frau dabei meist als geldgierige und lüsterne Verführerin des Mannes dargestellt[32], nicht wie bei Leyster züchtig und das Angebot deutlich ablehnend. Vergleiche mit Werken wie Die ungleichen Liebhaber von Cornelis van Haarlem (1619, Vgl. Abb. 16) oder Gerard van Honthorsts Die Kupplerin (1625, Vgl. Abb. 17), um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen, zeigen den Unterschied deutlich. Das Thema der Käuflichkeit wird von Leyster aber auch von männlicher Seite aus gezeigt, wie das Gemälde Ungleiche Liebe von 1631 (Vgl. Abb. 18) zeigt: Eine ältere Dame bietet einem jungen Lautenspieler einen Ring und Geld an, dieser wendet sich allerdings bewusst davon ab.[33]

Auch interessant ist Leysters Darstellung von geschlechtlicher Gleichrangigkeit im Werk Lustige Gesellschaft von 1630 (Vgl. Abb. 19): Obwohl der Mann durch seine Position an der rechten Tischseite fast komplett zu sehen ist und die Frau durch ihre Position hinter dem Tisch nur zur Hälfte, zeigt sich ihre Gleichrangigkeit durch ihre etwa gleiche Körpergröße. Beide nehmen eine aktive Rolle ein und scheinen die Anwesenheit des jeweils anderen zu genießen. Der Mann musiziert lächelnd, während die Frau ein Glas Wein einschenkt und es ihm anbietet, den Blick bewundernd auf das Gesicht des Mannes gerichtet. Die Frau nimmt in Leysters Werk eine ungewöhnliche Position ein: Sie ist in der linken Bildhälfte verortet, die in Paarportraits traditionell dem Mann vorbehalten war.

Das gleichnamige Werk von Frans Hals von 1623 (Vgl. Abb. 20) zeigt eine ganz andere Paarbeziehung: der dargestellte Mann nimmt den größten Teil des Bildes ein. Die Frau ist dagegen deutlich kleiner und verschwindet fast komplett hinter der ausladenden Kleidung des Mannes. Sie ist schmückendes Beiwerk, dass durch ihre Gestik zusätzlich den Blick auf den Dargestellten lenkt. Zu Hals „Verteidigung“ sei hier aber noch ein anderes Werk angeführt, dass eine symmetrischere Rollenverteilung zeigt, das Bildnis eines Ehepaares von 1622 (Vgl. Abb. 21): Ehemann und Ehefrau nehmen etwa gleich viel Platz in dem Gemälde ein, allerdings ist der Mann auch hier auf der traditionellen linken Bildhälfte positioniert.[34]

Abb. 22 Judith Leyster oder Dirck Hals (Zuschreibung umstritten), Nähende Frau bei Kerzenlicht, 1633, Öl auf Holz, 28cm Durchmesser, Dublin, National Gallery of Ireland
Abb. 23 Judith Leyster, Lustiges Trio, zwischen 1629 und 1631, Öl auf Leinwand, 72 x 60,3 cm, Privatsammlung

Männlich vs. Weiblich - Macht das überhaupt Sinn?

Es ist hoch problematisch, hier oder an andere Stelle eine Einteilung in „männliche“ und „weibliche“ Kunst zu machen: es gibt schlicht keine allgemeingültigen Kriterien für die Kunst von Frauen und Männern – das sieht man alleine schon daran, dass Leysters Werke bis 1893 ohne Hinterfragung anderen Künstlerkollegen zugeschrieben wurden.[35] Jeder Künstler und jede Künstlerin muss als Individuum und im Kontext seiner bzw. ihrer jeweiligen Epoche betrachtet werden. Kunstwerke spiegeln die unterschiedliche Sozialisation sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer Urheber:innen wider, können also nicht selten eine Dokumentation ihrer jeweiligen Erfahrungen sein. Eine Unterteilung nach Geschlechtern würde aber zwangsläufig dazu führen, dass „Kunst von Frauen“ bestimmte Beschränkungen auferlegt werden und sie im schlimmsten Fall als zweitrangige Kunst klassifiziert wird.[36]

Im Fall von Judith Leyster kann durchaus vermutet werden, dass ihre Erfahrungen in einem vor allem männerdominierten Beruf und in einer patriarchalen Gesellschaft Einfluss auf ihre Kunst hatten. Dieser sollte jedoch nicht zu der irreführenden Annahme einer „typisch männlichen“ und „typisch weiblichen“ Kunst führen. Denn trotz einiger „feministischer“ Andeutungen in ihren Werken, malte auch Leyster in ihren Bildern stereotype Darstellungen von Mann und Frau, die von den damals herrschenden Geschlechterbildern geprägt sind: Frauen im häuslichen Umfeld (Vgl. Abb. 22 Nähende Frau bei Kerzenlicht von 1633; Zuschreibung ist umstritten!) und Männer meist feiernd und trinkend im öffentlichen Raum (Vgl. Abb. 23 Lustiges Trio zwischen 1629 und 1631).[37]

Weiterführende Informationen

  • Masterarbeit von Cristiana Demiany über aktuelle Kunstmarktentwicklungen für Künstlerinnen der Vormoderne u.a. am Beispiel von Judith Leyster

https://core.ac.uk/download/pdf/288280827.pdf

  • Ausführliche Beschreibung von Leysters Selbstportrait von der National Gallery of Art in New York

https://www.nga.gov/collection/art-object-page.37003.html#overview

  • Essay vom Auktionshaus Christie’s über ein erst 2016 wiederentdecktes Selbstportait von Judith Leyster

https://www.christies.com/lot/lot-6048393/?intObjectID=6048393

Die Nachtmalerin


Haarlem, 1633, das Goldene Zeitalter der Niederlande. Längst haben sich Maler wie Rembrandt und Frans Hals einen Namen gemacht. Sie organisieren sich in Gilden, die strikt den Männern vorbehalten sind. Doch eine junge Frau will das nicht akzeptieren: Judith Leyster, eine Malerin mit Leidenschaft und großem Talent. Eine Frau, die für eine Aufnahme in die Gilde alles geben würde. Um ihr Ziel zu erreichen, schert sie sich weder um gesellschaftliche Normen noch um die Gerüchte, die bald in der Stadt über die aufmüpfige Judith kursieren.
Doch schon bald muss sie erkennen, dass die mächtigsten Männer der Gilde vor nichts zurückschrecken und eine finstere Intrige spinnen, um sie von ihrem Traum fernzuhalten …

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