Frauen in der Kunst – drei Frauen im 18. und 19 Jahrundert

Der Einfluss der Gesellschaft & Techniken

Die Künstlerinnen Élisabeth Louise Vigée Le Brun, Caroline Louise Seidler & Rosa Bonheur

Ein Beitrag von Laura Nüchter, Jaqueline Palm und Lena Geisel

Das 18. Jahrhundert gilt allgemein als das „Zeitalter der Aufklärung“. Für Frauen sollte sich einiges verändern: besonders in Frankreich wurde die Meinung der Frau im 18, Jahrhundert gesellschaftliche höher angesehen und ihre Sexualität bzw. das Frauen auch sexuelle Lust empfinden durften wurde nicht mehr tabuisiert.[1]  

Die Schönheit der Frau stand nun durch ein neues Schönheitsideal vielmehr im Fokus, welche gesellschaftliche Grenzen überschreiten konnte.[2] Denn die Schönheit einer Frau wurde in jeder gesellschaftlichen Schicht als höchstes Gut angesehen, weswegen der Geburtsstatus einer Frau in den Hintergrund gerückt wurde.

Das moderne Rollenmodell sah die Frau als gebildet und intellektuell – paradoxerweise gab es trotzdem keine geeignete Mädchenbildung. Frauen wurden aus vielen Bereichen weiterhin ausgeschlossen. Malerinnen wurden beispielsweise der Malunterricht in der Académie Royale verweigert.[3] Künstlerinnen konnten demnach nicht die gleiche Ausbildung erhalten wie ihre männlichen Kollegen. Ende des 18. Jahrhunderts konnten Frauen keine eigenständigen und mündigen Bürgerinnen, sondern brauchten eine Vormundschaft, ausgeübt durch einen männlichen Vertreter, zum Beispiel durch den Vater, den Bruder oder den Ehemann. Frauen wurden angebliche typische weibliche Eigenschaften wie Tugend, Sittsamkeit und Fleiß zugeschrieben, sodass ihnen zwangsläufig die ihnen vorherbestimmte Rolle der Ehefrau und Mutter zufiel. Dieses Konzept der strikten Trennung der Geschlechter sorgte auch für eine strenge Trennung des gesellschaftlichen Umgangs: Frauen sollten zu Hause beim Haushalt bleiben und Männer gehörten in die Öffentlichkeit. [4]

[1] Vigée-Lebrun 1985, S.7.

[2] Vigée-Lebrun 1985, S. 8.

[3] Vigée-Lebrun 1985, S. 14.

[4] Bundeszentrale für politische Bildung (Stand: 14.02.21)

Élisabeth Louise Vigée Le Brun

Eine Frau mitten im Umbruch. Ihr künstlerischer Stil und ihre Vorbilder.

Diese neuen gesellschaftlichen Vorteile für eine Frau kamen Élisabeth Louise Vigée Le Brun (1755-1842) sehr zugute. Als eine Frau, die für ihre Schönheit bei ihren adligen Kunden bekannt war, gelang es Vigée Le Brun mit ihrer Arbeit gesellschaftlich sich in den höchsten Kreisen aufzuhalten.[1] Aus der Bürgerlichen wurde die favorisierte Porträtmalerin der Königin Marie Antoinette[2] und ein gern gesehener Gast im Winterpalast bei der Zarin Katharina der Großen in Russland.[3] Diesen Erfolg verdankte Vigée Le Brun ihrem Vater, der sie schon früh der Malerei nahebrachte, ihrem Ehemann, der ihr die nötigen Kontakte verschaffte, doch vor allem ihrem Talent.

[1] Vigée-Lebrun 1985, S. 8.

[2] May 2005, S. 35.

[3] Vigée-Lebrun 1985, S. 18.

Da ihr als Frau nicht die gleiche Ausbildung zur Verfügung stand wie den männlichen Künstlern, brachte sie sich Vieles selbst bei. Dabei nahm sie sich einige Maler zum Vorbild, wie beispielsweise Raffael.[1] Die von ihm oft verwendete Dreiviertelansicht, sowie Ansätze seiner Maltechnik und Farbgebung, finden sich in vielen Vigée Le Bruns Bildern wieder.[2] Auch die Antike war eine wesentliche Bezugsgröße: in So veranstaltete sie Feiern, auf denen ihre Gäste in antikisierender Kleidung erscheinen mussten und solche Gewänder finden sich auch auf einigen ihrer Gemälde wieder.[3]

[1] Hauschild 2018, S. 30.

[2] Hauschild 2018, S. 31.

[3] Vigée-Lebrun 1985, S. 26.

Die Vorbilder, die sich Vigée Le Brun in der Kunst suchte, erwähnte sie in ihren Memoiren, die zwischen 1835-1837 erschienen.[1] Auch ihr berühmtes Bild Selbstbildnis mit Strohhut aus dem Jahr 1782 ist einer Inspirationsquelle zuzuordnen. Hier zieht Vigée Le Brun eine Verbindung zu Porträt Chapeau de Paille von Peter Paul Rubens, einem der bedeutendsten Künstler des Barocks unter der spanisch-habsburgischen Monarchie.[2]  Das von ihm schon erwähnte Gemälde Chapeau de Paille zeigt eine Frau (vermutlich Rubens zweite Frau Helene Fourment), die in einer Porträtansicht einem mit verschränkten Armen unterwürfig entgegenblickt.[3] So wenig unterwürfig Vigée Le Brun in ihrem Selbstporträt aussieht, so ähnlich sind sich die Lichtreflexe, auf die sich Vigée Le Brun besonders konzentriert hat. Die Sonne streicht bei beiden Damen leicht die Wange und verliert sich dann im Dekolleté. Ein weiterer Aspekt wäre der Hintergrund, der auf beiden Porträts einen blauen Himmel zeigt, mit leichten Wolken.

Dennoch liegt, wie schon angedeutet, in der Darstellung der Frau zwischen Rubens Porträt und Vigée Le Bruns ein großer Unterschied. Vigée Le Brun steht mit erhobenem Kopf da, der Betrachter blickt ihr direkt ins Gesicht. Von einem schüchternen Lächeln, wie bei Rubens Bild, scheint hier keine Spur zu sein. Ihr Blick ist dominant und selbstbewusst. Eine viel größere Ähnlichkeit mit Vigée Le Bruns Haltung zeigt Helene Fourment auf Rubens Gemälde Helene Fourment, einen Handschuh anziehend.[4]

[1] Hauschild 2018, S. 29.

[2] Hauschild 1998, S. 24.

[3] Hauschild 1998, S. 25.

[4] Hauschild 1998, S. 26.

Abb. 1.: Élisabeth Louise Vigée Le Brun, Selbstbildnis mit Strohhut, 1782, Öl auf Leinwand, 97,8x70,5 cm, London, The National Galery
Abb. 2.: Peter Paul Rubens, Le Chapeau de Paille, um 1622-1625, Öl auf Eichenholz, 79x54,6 cm, London, The National Galery

Dadurch, dass Vigée Le Brun sich mit der Darstellung Helene Fourments oder Rubens Geliebten vergleicht, präsentiert sie sich als Künstlergeliebte.[1] Durch ihre Darstellung mit Palette und Pinseln zeigt sie sich als produktive Künstlerin. Dabei steht auch der Aspekt der Schönheit im Vordergrund, da sich Vigée Le Brun hier als weibliche Ikone darstellt und die Schönheit zu der Zeit die wichtigste Waffe einer Frau war.[2] Durch die Repräsentation als Künstlerin und die Betonung von Verbindungen zu vorbildlichen Künstlern, stellt sich Vigée Le Brun mit ihnen in eine Reihe.

[1] Hauschild 1998, S. 25.

[2] Hauschild, S. 27.

An dem hier nun intensiv behandelten Beispiel, sollte Vigée Le Bruns Fokus verdeutlicht werden: Die Schönheit. Auch in Porträts, die Vigée Le Brun für ihre Kunden anfertigte, versuchte sie ihre Qualitäten herauszuarbeiten und ihnen zu schmeicheln.[1] Das war sicher auch ein Grund für ihren großen Erfolg. Trotzdem war sie immer an dem Erhalt der Naturwahrheit interessiert, also der realistischen Wiedergabe einer Person oder eines Gegenstandes.[2] Diese beiden Grundsätze vermischte sie in ihren Werken. In dem hier gezeigten Selbstporträt wird die Schönheit jedoch noch ergänzt durch einen weiteren Aspekt:  Le Bruns Selbstdarstellung als eine unabhängige Künstlerin.

[1] Vigée-Lebrun 1985, S. 26.

[2] Hauschild 2018, S. 30.

Caroline Louise Seidler

Alleinstehend und großartig. Caroline Louise Seidler in den höchsten Kreisen in Weimar.

Das Konzept von gesellschaftlich getrennten Geschlechterrollen blieb nicht ohne Kritik und Auflehnung. Einige Frauen mischten sich mit Hilfe von Literatur und Kultur ein und versuchten ihren gleichberechtigten Platz zu finden. Auch wenn dies nicht immer radikal geschah, sondern im Rahmen der bürgerlichen Frauenrolle. [1] Eine dieser Frauen war Caroline Louise Seidler, eine ungewöhnliche Figur in ihrer Zeit.

[1] Kovalevski 2007, S. 62.

Louise Seidlers selbstbestimmter Lebensweg war ihr allerdings nur möglich, weil sie unverheiratet blieb. Sie musste sich nicht um Kinder und Haushalt kümmern, sondern konnte allein für die Malerei leben. Diese Entscheidung war für diese Zeit zwar ungewöhnlich, aber mit diesem Entschluss lag sie im Trend der kommenden Zeit: Im Katalog zur Ausstellung „Zwischen Ideal und Wirklichkeit“ von 1999 heißt es: „Für die Entscheidung, als Künstlerin zu leben und zu wirken, hatten diese Malerinnen den Verzicht auf eine eigene Familie in Kauf zu nehmen“. [1]

[1] Baier (Stand: 14.02.21)

Abb. 3.: Caroline Louise Seidler, Selbstbildnis, 1844, Bleistiftzeichnung, 24,3x19,0 cm, Berlin, Kupferstichkabinett

Seidler ließ sich von ihrem Ziel nicht abbringen, nahm dafür eine  Außenseiterrolle in der Gesellschaft in Kauf. Vorurteile gegenüber selbstständig arbeitenden Frauen, insbesondere Künstlerinnen, waren weit verbreitet. Bestärkt wurde Seidler in diesem Weg schon als Kind. Ihre Großmutter und eine Tante ermuntern sie zu einem selbstbestimmten Leben. [1]

Seidler war nicht nur talentiert, umfassend gebildet in Literatur, Musik und der Malerei, sondern vor allen Dingen auch sehr gut vernetzt und betrieb kräftig Networking: Sie nahm an regelmäßigen Treffen verschiedener intellektueller Persönlichkeiten teil. Seidler führte eine bedeutende und umfangreiche Korrespondenz mit Personen in der Kunst und Literatur, aber auch des Weimarer Hofes. Für viele junge aufstrebende Künstlerinnen war Seidler deshalb Vorbild und Ratgeberin. [2] Mit Augusta (1811-90), der späteren Kaisergemahlin, stand Louise bis zu ihrem Lebensende in Verbindung. [3]

[1] Kaufmann 2003, S. 425, Kovalevski 2007, S. 62.

[2] Jordan 2009, S. 109.

[3] Uhde 1874, S. 391, S. 442.

Im Nachwort zur Neuherausgabe der „Erinnerungen der Louise Seidler“ macht Sylke Kaufmann deutlich: „Typisch für Seidler ist die auffällige Beachtung und Würdigung von Frauen, die ihren Lebensweg kreuzten“. Doch sie unterstützte und schätzte nicht nur Frauen auf ihrem Lebensweg, sondern hielt sie auch auf ihren Gemälden fest. Seidler hat selbstbewusste Frauen und starke Persönlichkeiten gemalt, wie zum Beispiel Wilhelmine Herzlieb oder Mathilde Gräfin Rantzau. [1]

Louise Seidler nutzte zielstrebig ihre Chancen und Kontakte und behauptete sich als Frau in einer hierarchischen, von Männern dominierten Gesellschaft. Den Konventionen entkam sie trotzdem nicht. Sie war stets auf die Anerkennung der männlichen Kollegen angewiesen. Bekam sie diese empfand sie es als besondere Auszeichnung. Von ihren Kollegen wurde sie geschätzt, aber nicht primär für ihre Kunst, sondern (vor allem zu Lebzeiten) aufgrund ihrer guten Beziehungen zu hochstehenden Kreisen. Kunsthistoriker und Künstlerbiograph Hermann Grimm fand sogar, dass Goethe es hätte besser wissen müssen „(…) als seine Protection an solch schöne Mädchen verschwenden, während wirklichen Talenten vielleicht Förderung versagt und Geldmittel vorweg genommen wurden“. [2]

[1] Baier (Stand: 14.02.21)

[2] Baier (Stand: 14.02.21)

Dabei wird gerade auch ihre Kunstfertigkeit unterschätzt. Ihre Porträts im romantischen Geist und mit leichtem Strich machen sie mitunter zu einer bedeutenden Malerin. Die Pastellzeichnung, die sie von Johann Wolfgang von Goethe 1811 anfertigte, ist wohl ein typisches Beispiel ihres feinen Malstils. Das Porträt kommt ohne scharfe Kontraste aus und ist in Brauntönen gehalten. Die Farbgebung ist zum einen sehr neutral und unterstreicht zum anderen die naturgetreue, realistische Abbildung des Dichters.  Links oberhalb des Bildes gibt es eine Lichtquelle, die Goethes rechte Gesichtshälfte erhellt. Das sehr warme Licht betont das Individuum und die Besonderheiten seines Gesichts. Dieses Porträt ermöglichte es Louise Seidler Ihr Können unter Beweis zu stellen und auch Goethe zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. [1]

Es folgte, wohl ausgelöst durch eine Reise durch Italien, eine Wandlung des Kunstgeschmacks und damit die zunehmende Ablehnung des klassizistischen und romantischen Kunstschaffens. In ihrer Zeit in Rom, wo sie fünf Jahre lebte und arbeitete, schloss sie sich den Nazarenern an, deren feiner, klarer Stil auch in ihren späteren Mädchenbildnissen mitschwingt. Sie malte Bilder meist mit religiösen Inhalten und zeigte dabei ihr Können. [2]

[1] Uhde 2012, S. 237

[2] Uhde 1874, S. 241

Abb. 5.: Caroline Louise Seidler, Madonna mit Engeln, 1823, Öl auf Leinwand, 142,2x102,5 cm, Gotha, Schloss Friedenstein
Abb. 4.: Caroline Louise Seidler, J. W. Goethe, 1811, Pastelzeichnung, 33,0x25,3 cm, Weimar, Stiftung Weimarer Klassik

Eine Gruppe von deutschen Romantikern des frühen 19. Jahrhunderts übernahm den Namen der Nazarener um Ehrlichkeit und Spiritualität in der (christlichen) Kunst hervorzuheben und sich vom Klassizismus abzuwenden. Ganz nach dem Motto: Die Kunst habe der Religion zu dienen. Ursprünglich wurde der Name aufgrund ihrer Anspielung auf eine biblische Kleidung und Frisur als Spott gegen sie verwendet. Die künstlerische Ausrichtung der Gruppe kommt ihrer eigenen Auffassung entgegen und sie fand endgültig zu ihrem Stil. [1]

Ihr Ölgemälde „Maria mit dem schlafenden Kind und drei Engeln (Glaube, Liebe, Hoffnung)“, eine Kopie nach Raffael, aus dem Jahr 1823 macht überaus deutlich, wie sehr ihre Kunstfertigkeit unter dem Einfluß der Nazarener reifte. Auch in ihrem Gemälde kann man die Malerei der Florentinischen Renaissance als Grundlage betrachten. Ihr Ölgemälde weißt im Gegensatz zur Pastellzeichnung eine klare Linienführung und Farbgebung auf. Mit diesem Werk bekannte sich Seidler als Historienmalerin eindeutig zur idealistischen, religiösen Auffassung der Nazarener. Auch das Motiv ist wohl kein Zufall. Louise Seidler konzipierte eine reine Frauengruppe mit Kindern und gestaltete bewusst bekannte Themen aus der Sicht der Frauen auf neue Weise.

Caroline Louise Seidler war mit ihrem emanzipierten Leben eine Vorreiterin und ihrer Zeit voraus. Damit ist die erfolgreichste thüringische Malerin des 19. Jahrhunderts, erste deutsche Hofmalerin auch gleichzeitig eine der unterschätztesten Künstlerinnen. [2]

[1] Hisour (Stand 14.02.21)

[2] Wild 2016, S. 396

Rosa Bonheur

Ein neues Phänomen. Rosa Bonheur ganz einzigartig.

Man nehme eine unermüdlich kämpfende Mutter, einen künstlerisch tätigen Vater und eine unkonventionelle, nicht von gesellschaftlich geprägten Erwartungen der Geschlechter geprägten Erziehung, sowie die Liebe zu Tieren und eineBegabung und heraus kommt eine Frau, die nicht nur mit ihrer Kunst die Kritiker und das Publikum begeistert, sondern auch mit ihrer einzigartigen Persönlichkeit: Rosa Bonheur.

Schon als Kind besaß sie etwas, das man als „rebellisch“ bezeichnen könnte, denn sie wurde aus einem Mädchenpensionat verwiesen, nachdem sie „als Anführerin der Mädchenbande ein „fürchterliches Gemetzel“ im Rosenbeet der Schulleiterin angerichtet hatte“[1] und auch als Erwachsene beugte sie sich nicht den Konventionen: sie trug Männerkleidung, rauchte Zigaretten, blieb unverheiratet und hatte nur weibliche Partnerinnen an ihrer Seite.

Rosa Bonheur war auch künstlerisch bedeutsam. Laut Andrea Schweers trafen ihre realistischen Tier- und Landschaftsdarstellungen den Zeitgeschmack des Publikums[2] und ihre handwerkliche Perfektion war dieser Gattung und ihrer Karriere nur zuträglich.

[1] Holsey 2004, S.17-59.

[2] Holsey 2004, S.32.

 

. Der Realismus definiert sich als eine Kunstströmung, in welcher die Alltäglichkeit ohne Verschönerung dargestellt werden sollte. Somit wendet sie sich gegen den Klassizismus, zu welchem sich Élisabeth Vigée-Lebrun zuordnen lässt, sowie der Romantik, welche geprägt ist durch ihrem Drang nach Unendlichkeit und immerzu von einer Leidenschaft bewegt wird.

Bonheurs liebste Motive waren Tiere, auf ihrem Anwesen hielt sie nicht nur Hunde, sondern auch Löwen und Löwinnen, Pferde sowie Otter[1].Als sie auf ihre abgeschottete Lebensweise angesprochen wurde, antwortete sie: „What can the world do for me? A portrait painter has need for [society], but not I, who find all that is wanted in my dogs, my horses, my hinds, and my stags of the forest”[2]. Inwieweit Rosa Bonheur den Realismus prägte und somit als bedeutendste Tiermalerin des 19. Jahrhundert aufstieg, soll hier anhand zweier Werke dargestellt werden.

[1] Stanton, 2012, S.342

[2] Stanton 2012, S.338.

Das erste Werk, Weidewechsel, zeigt zentral drei Männer, vermutlich Schäfer, mit ihren Tieren auf einem Boot, welche gemeinsam ein Gewässer überqueren. Um sie herum nichts weiter als Wasser und Berge; eine ruhige Idylle. Bei genauer Betrachtung wird Bonheurs‘ Hingabe zum Detail deutlich: man sieht jedes Schaf und die Locken ihres Fells. Auch die drei Männer haben fein ausgearbeitete Gesichter, als könne man sie daran identifizieren. Die Wellen schlagen gegen das Boot und am Ruder zeichnen sich Wasserstränge ab. Sogar die Berge rechts im Hintergrund lassen Gräser erkennen und links zeichnet sich ein zweites Boot ab. Bei diesem Werk erkennt man auch, wie genau Bonheur Schattierungen zeichnet: ob die Köpfe der Schafe oder die Arme der Männer wird ein Augenblick eingefangen.

Abb. 6.: Rosa Bonheur, Der Pferdemarkt, zw. 1852-1855, Öl auf Leinwand, 244,5x506,7 cm, New York, Metropolitan Museum of Art
Abb. 7.: Rosa Bonheur, Der Weidenwechsel, 1863, Öl auf Leinwand, 64,0x100,0 cm, Hamburg, Kunsthalle Hamburg

Das zweite Bild, Der Pferdemarkt, ist Bonheurs wohl berühmtestes Werk und befindet sich heutzutage im Metropolitan Museum of Art, wo man es sich, nach Möglichkeit, vor Ort ansehen sollte, da eine bloße Fotografie dem Kunstwerk gar nicht gerecht werden kann. Auffällig ist die Dynamik dieser sich im Kreis drehenden Gruppe von Menschen und Pferden. Auch hier sind die Mähnen in jedem Detail zu erkennen, die muskulösen Körper der Tiere und die bewegten Hufen, die am Boden Staub aufwirbeln. Manche Männer versuchen die Tiere zu beruhigen, andere scheinen selbst ganz ruhig. Die Bäume sind ebenso detailliert, es lassen sich Wolken am Himmel und Zuschauer am rechten Seitenrand erkennen. Bonheur fokussiert sich nicht nur auf das was vor ihr liegt, sondern stellt eine Momentaufnahme dar, welche in ihrem Detailreichtum einer Fotografie nahe kommt.

Natürlich lässt sich Rosa Bonheurs‘ Talent und ihre Bandbreite nicht bloß anhand zweier Bilder festhalten, allerdings zeigen diese beiden Beispiele schon deutlich, dass wir es mit einer Künstlerin zu tun haben, die ihr Handwerk verstand und den Betrachter in eine Welt eintauchen lässt, wie sie diese vor sich sah. Dementsprechend ist es nachvollziehbar, dass sie einen solchen Werdegang hatte, in einer Zeit, in der es für Frauen unüblich war, die Kunst als Beruf zu erkennen und damit so erfolgreich zu werden, ohne im Schatten eines Mannes zu stehen.

Biografien

Abb. 8.: Élisabeth Louise Vigée Le Brun, Selbstporträt, 1790, Öl auf Leinwand, 100,0x81,0 cm, Florenz, Gallaria degli Uffizi
Abb. 9.: Carl Christian Vogel von Vogelstein, Louise Seidler in Rom, 1820, schwarze Kreide Zeichnung, Dresden, Kupferstichkabinett Dresden
Abb. 10.: Edouard Louis Dubufe, Portrait de Marie-Rosalie dite Rosa Bonheur, 1857, Öl auf Leinwand, 130,8x94 cm, Versailles, Château de Versailles

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Self-portrait_in_a_Straw_Hat_by_Elisabeth-Louise_Vig%C3%A9e-Lebrun.jpg (letzter Zugriff am 15.02.2021)

Abb. 2.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Le_Chapeau_de_Paille_by_Peter_Paul_Rubens.jpg (letzter Zugrff am 15.02.2021)

Abb. 3.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Louise_Seidler_-_Selbstbildnis_1844_-_Uhde_3.jpg#mw-jump-to-license (letzter Zugriff am 15.01.2021)

Abb. 4.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Louise_Seidler_-_J._W._Goethe_1811.jpg (letzter Zugriff am 15.02.2021)

Abb. 5.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Louise_Seidler_-_Madonna_mit_Engeln_(1823).jpg?uselang=de (letzter Zugriff am 15.01. 2021)

Abb. 6.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rosa_Bonheur_-_Changement_de_p%C3%A2turages.jpg (letzter Zugriff 15.02.2021)

Abb. 7.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rosa_Bonheur_-_La_foire_du_cheval.jpg (letzter Zugriff am 15.02.2021)

Abb. 8.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lebrun,_Self-portrait.jpg (letzter Zugriff am 15.02.2021)

Abb. 9.: Hermann Uhde (Hrsg.): Erinnerungen der Malerin Louise Seidler, Berlin 1922, S. 228.

Abb. 10.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rosa_Bonheur_with_Bull_,_by_E_L_Dubufe.jpg (letzter Zugriff am 15.02.2021)

Literaturverzeichnis:

Baier, Uta: Länderporträt Thüringen: Nazarenerin, Hofmalerin, Kustodin, gefunden auf: www.kulturstiftung.de/nazarenerin-hofmalerin-kustodin (letzter Zugriff am14.02.21)

Bundeszentrale für politische Bildung, 08.09.2008, URL: www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35252/wie-alles-begann-frauen-um-1800 (letzter Zugriff am 15.02.21)

Hauschild 2018

Stephanie Hauschild, „Gedanken zu einer Theorie des Porträts – Elisabeth Vigée Le Brun“, in: Künstlerinnen schreiben: ausgewählte Texte zu Kunsttheorien aus drei Jahrhunderten, hg. v. Renate Kroll u. Susanne Gramatzki Berlin 2018, S. 29-34.

Hausschild 1988

Stephanie Hauschild, Schatten. Farbe. Licht.: Die Porträts von Elisabeth Vigée Le Brun, Freiburg 1998 (Diss. phil. Freiburg 1998).

Hisour, URL: https://www.hisour.com/de/nazarene-movement-35826/ (letzter Zugriff am 15.02.21)

Horsley/Pusch 2004

Joey Horsley, Luise F. Pusch, Berühmte Frauenpaare, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2004, S.7-59.

Kovalevski 2007

Bärbel Kovalevski, Louise Seidler 1786-1866: Goethes geschätzte Malerin, 2007.

Kaufmann 2003

 Goethes Malerin: die Erinnerungen der Louise Seidler, hg. v. Sylke Kaufmann, Berlin 2003.

May 2005

Gita May, Elisabeth Vigée Le Brun: the odyssey of an artist in an age of revolution, New Haven 2005.

Stanton 2012

Theodor Stanton, Reminiscences of Rosa Bonheur, London 2012.

Thüringer Naturbrief, 22.02.2017, URL: www.thueringer-naturbrief.de/content/view/5081/88/ (letzter Zugriff am 15.02.21)

Uhde 1874

Uhde, Hermann (Hg.): Seidler, Louise Caroline Sophie: Erinnerungen und Leben der Malerin Louise Seidler (geboren zu Jena 1786, gestorben zu Weimar 1866), Berlin 1874.

Uhde 2012

Hermann Uhde, Seidler, Louise: Erinnerungen der Malerin Louise Seidler, Рипол Классик, 2012.

Vigée-Lebrun 1985

Vigée-Lebrun, Louise-Elisabeth; Mengden, Lida von (Hg.): Die Schönheit Malerin…: Erinnerung der Elisabeth Vigée-Le Brun, Darmstadt 1985.

Wild/Lutz/Jeßing 2016

Inge Wild , Bernd Lutz, u. Benedikt Jeßing, Metzler Goethe Lexikon: Personen – Sachen – Begriffe, Stuttgart 2016.

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