Elisabetta Sirani

Frauenwege

Wie eine außergewöhnliche Frau in der frühen Neuzeit zur Kunst gekommen ist



Ein Blog von Aphroditi Bodenstedt, Eileen Ehm und Katrin Schröder

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie Künstlerinnen in der frühen Neuzeit zur Kunst gekommen sind?

Ihr seit kunstgeschichtlich interessiert? Dann seit ihr hier genau richtig! Wir haben uns mit dem Thema „Wie Frauen in der frühen Neuziet zur Kunst gekommmen sind“ beschäftigt und möchten euch als Bespiel die Künstlerin Elisabetta Sirani vorstellen. Ihr findet hier Bildbeschreibungen zu ihren Werken, ihren Lebenslauf und noch ein paar weitere Informationen. Also lässt euch überraschen und wir freuen uns über ein Feedback!

Elisabetta Sirani, Selbstporträt, um 1665, Öl auf Holz, 15,5 x 12,5 cm, Northampton, Smith College Museum of Art

Steckbrief Elisabetta Sirani

Biographische Eckdaten:

Name: Elisabetta Sirani (1638-1665)

Geburtsort: Bologna, Italien

Beruf: Malerin und Kupferstecherin

Leben und Werdegang:

1638: Sirani wurde als die älteste Tochter des Malers Giovanni Andrea Sirani (1610-1670) in Italien geboren [1]

1654: Aufgrund von Arthritis kann ihr Vater nicht mehr arbeiten und somit leitet Sirani dessen Werkstatt und bereut seine männlichen Schüler und Assistenten
Sirani ist ab diesem Zeitpunkt Alleinverdiener der ganzen Familie [2]

1665: Erste künstlerische Versuche, die ersten eigenen Werke entstehen [3]
am Ende ihrer kurzen Karriere schuf sie über 200 Werke, 10 Radierungen und viele Zeichnungen [4]

1658: Sirani erhielt ihren ersten großen Auftrag: „Die Taufe von Christus für den Cimitero Monumentale della Certosa di Bologna [5]

Um 1660: Sirani gründet die erste Kunstakademie für Mädchen und Frauen in Bologna
vorrangig adelige Frauen und Mädchen und ihre Schwester besuchen die Schule, jedoch kann keiner ihrer Schüler einen großen Erfolg nachweisen und so gilt ihre Schule als nicht erfolgreich [6]

1665: Sirani stirbt im Alter von nur 27 Jahren infolge einer kurzen und schmerzhaften Krankheit [7]
sie wird neben Guido Reni in einem Grab beigesetzt [8]
Giovanni Luigi Piccinardi verfasst ein Gedicht über Sirani anlässlich ihres Todes, er stattete Sirina in dem Gedicht mit männlichen Attributen aus, zum Beispiel beschreibt er sie mit dem männlichen Begriff des Malers „pittore“ und nicht mit dem weiblichen „pittrice“
damit nutzt er dieselben männlichen Konnotationen, die Sirani selbst für ihre starke antiken Heldinnen genutzt hat [9]

1678: Graf Carlo Cesare Malvasi, Biograph von Bolohneser Malern, schreibt in seiner „Felsina Pittrice“ vor allem über Lavinia Fontana und Elisabetta Sirani, er kannte Siriani und ihren Vater persönlich [10]

Wissenswertes: Zu ihren Lebzeiten hat Siriani viele Gönner, darunter päpstliche Legaten, Senatoren, Kardinäle und die größten aristokratischen Familien in Bologna
ihre Kunstwerke wurde in wichtige Kunstsammlungen aufgenommen [11]

[1] Catherine R. Puglisi, Rezension von: Adelina Modesti, „Elisabetta Sirani ‘Virtuosa’: Women’s Cultural Production in Early Modern Bologna” in: Woman’s Art Journal, 37, 1 (2014), S. 67.

[2] Ebd., S. 67.

[3] Babette Bohn, „The construction of artistic reputation in Seicento Bologna: Guido Reni and the Sirani”, in: Renaissance Studies, 25, 4 (2011), S. 527.

[4] Ebd., S. 59.

[5] Ann Sutherland Harris, „Artemisia Gentileschi and Elisabetta Sirani: Rivals or Strangers?”, in: Woman’s Art Journal, 31, 1 (2010), S. 7, Puglisi. 2014, S. 67.

[6] Puglisi, 2014, S. 68.

[7] Ebd. S. 67.

[8] Bohn 2002, S. 55.

[9] Ebd, S. 79.

[10] Ebd. S. 55, 78.

[11] Ebd., S. 59.

„Emula al Sol, che con la chioma aurata emulare chioma aurata
Luminoso Pittor I´Iri colora
Pingi, Sirana, e la tua destra armata
D´ingegnoso Pennello i Lini infiora.“ [1]

 

„Sie ahmt die Sonne nach, die den Regenbogen mit seinen goldenen Strahlen wie ein leuchtender Maler färbt. Male, Sirani, und mit deiner mit einem genialen Pinsel ausgestatteten Hand, zeichne Blumen auf dem Leinen.“ (Übersetzung K. Schröder)

 

[1] Babette Bohn. „The antique heroines of Elisabetta Sirani“ in: Renaissance Studies, 16, 1, (2002), S. 79, Z. 6-9.

Elisabetta Sirani, Timoclea stürzt einen Hauptmann Alexanders des großen in einen Brunnen, 1659, Öl auf Leinwand, 228 x 174,5 cm, Neapel, Museum Nazionale di Capodimonte

Bildbeschreibung Timoclea stürzt einen Hauptmann Alexanderes des Großen in den Brunnen

Das Werk „Timoclea stürzt einen Hauptmann Alexanders des Großen in einen Brunnen“ von Elisabetta Sirani (1628-1665) wurde mit Öl auf Leinwand gemalt. Es misst 228 mal 174,5cm und ist im Jahr 1659 entstanden. Heutzutage befindet sich das Werk heute im Museum Nazionale di Capodimonte in Neapel.

Auf dem Bild ist eine Frau zu beobachten, die einen Mann kopfüber in einen Brunnen wirft. Im Hintergrund sieht man eine bräunliche Mauer und Bäume. Vor dem Brunnen, der mit Ornamenten geschmückt ist, steht ein bronzefarbener Krug.
Der Mann trägt eine Rüstung und einen roten Umhang. Sein Gewand rutscht nach oben, sodass man seine nackten Beine und seine braunen Sandalen sehen kann. Er wirkt sehr erschrocken und versucht sich mit dem linken Arm noch am Rand des Brunnens festzuhalten.
Die Frau ist in ein dunkles Kleid mit weißem und goldenem Muster an den Armen, der Taille und dem Dekolleté gehüllt. Sie trägt keine Schuhe und ihre schwarzen Haare sind mit einem Haarnetz teilweise nach oben gesteckt. An ihren Ohren hängen weiße Ohrringe und ihr Blick wirkt entschlossen und stark.

Die Ornamente auf der Vorderseite des Brunnens zeigen den Kampf zwischen den Lapithen und Kentauren. Die Lapithen, waren Edelmänner und hoch angesehen, bestrafen die Kentauren für ihr Fehlverhalten auf der Hochzeit der Hippodamia. Sie stammen aus der griechischen Mythologie und sollen im antiken Griechenland, als angesehenes Volk gelebt haben. Auf der gebogenen Kopfseite ist die Galatea zu sehen, sie steht für die Macht und Schönheit von Frauen. Galatea ist eine Nymphe aus der griechischen Mythologie. Die beiden Themen auf dem Brunnen stehen für den Konflikt zwischen der Vernunft und den Instinkten, die als niedriger angesehen werden. [1]
Bei dem Bild handelt es sich um eine antike Geschichte, die von Timoclea erzählt. Die Geschichte wird unter anderem von Plutarch in seiner Biografie über Alexander den Großen erwähnt. Es ist belegt das Siriani, durch die Lektüren, die sie von ihrem Vater bekommen hat, unter anderem die Texte von Plutarch lesen konnte. Sie nutze Plutarchs Texte für mehrere Werke.
Die Geschichte der Timoclea wird bei Plutarch Bericht so geschildert, dass nachdem Alexander der Große mit seiner makedonischen Armee den Aufstand der Theben niedergeschlagen hatte, brauch ein Hauptmann der thrakischen Armee in Timocleas Haus ein und vergewaltigte sie. Danach fragte er sie, wo sie ihr Geld versteckt hat, und sie führte ihn in den Garten, um ihm das angeblich im Brunnen versteckte Geld auszuhändigen. Als dieser sich gierig in den Brunnen lehnte stieß Timoclea ihn in den Brunnen und bewarf ihn mit Steinen, bis er tot war. Nach diesem Vergehen wurde Timoclea vor Alexander den Großen geführt und dieser fragte sie wer sie sei. Sie antwortete, dass sie die Schwester von Theagenes ist, dieser habe mit Alexanders Vater Phillipp II in der Schlacht von Chaeronea, um die Freiheit von Griechenland gekämpft und ist dafür gestorben. Schließlich berichtet Plutarch, dass Alexander so beeindruckt von Timocleas Worten und Taten war und drum habe er ihr und ihren Kindern die Freiheit geschenkt. [2]

[1] Golahny, Amy. „Elisabetta Sirani´s Timoclea and visual precedent“, in: Notes in the History of Art, 30, 4 (2011), S. 39.

[2] Babette Bohn. „The antique heroines of Elisabetta Sirani“ in: Renaissance Studies, 16, 1, (2002), S. 63-64.

Elisabetta Sirani war eine bedeutende Frau und Malerin. Sie eröffnete eine Kunstakademie um das Jahr 1660 nur für Frauen und Mädchen, obwohl in dieser Zeit die meisten Kunstakademie Frauen grundlegend ausschlossen. Dies änderte sich erst mit dem Anfang der Gleichstellung der Geschlechter in der Weimarer Republik 1919 und weltweiten Frauenbewegungen. Obwohl Frauen schon seit 1908 durch die Mädchenschulreform an Universitäten studieren konnten, war es für die Frauen häufig schwierig. Auch ließen nicht alle Kunstakademien ließen Frauen sofort zu, teilweise dauerte es noch bis zu einem Jahrzehnt, bis Frauen dort studieren durften. [1]
Damit war Sirani ihrer Zeit nicht nur mehrere Jahrhunderte voraus, sondern setze sich bereits weit vor allen großen Frauenbewegungen für die Gleichbehandlung von Frauen in der Kunst ein. Sie war zweifelsohne eine Visionärin und eine bedeutende Frau für die Kunst.

Oftmals wird Sirani als eine Schülerin von Guido Reni angesehen, doch diese Meinung konnte widerlegt werden, denn Reni starb bereits als Sirani vier Jahre alt war. Dennoch haben die beiden einen ähnlichen Stil, da Sirianis Vater Schüler bei Reni war und er den Stil von Reni übernahm, um auch Werke seines Meisters beenden zu können. Sirani bekam Kunstunterricht von ihrem Vater, der ihr auch seinen Stil und somit auch Reni Stil beibrachte. Demnach haben alle drei Künstler einen ähnlichen Stil und ihre Werke sind nicht immer klar zuzuordnen. [2]

Auch in ihrer Kunst suchte sie immer Sujets aus, die die Möglichkeit der Darstellung einer starken Frau hergaben. Wie bei ihrem Werk „Timoclea stürzt einen Hauptmann Alexanders des Großen in einen Brunnen“ sie wählte den Punkt in der Geschichte, indem man die Stärke und den Handlungswillen der Frau deutlich sehen kann. Auch ihre Darstellungweise der Portia in dem Gemälde „Portia verletzt ihren Oberschenkel“ ist ungewöhnlich, denn sie stellt den Augenblick dar, indem sich Portia selbst verletzt, um ihrem Mann Brutus zu zeigen, dass sie tapfer ist. Dieses Sujets der Portia, ist genau wie bei dem Werk „Berenice“, auf dem die Figur sich selbst die Haare schneidet, eine Darstellung, die vorher noch nie so gemalt wurde. [3] Nicht nur die Sujets, sondern auch die mit den Figuren verbundenen Attribute sind bei Siriani anderes als bei ihren Männlichen Kollegen. Während die Männer zurzeit Sirianis oft die Frau nur mit der Erotik als einzige Konnotation darstellten und die Frauen keine andere Aufgabe hatten als ansehnlich zu sein, nutze Siriani oft männlich konnotierte Attribute wie Mut, Stärke und Willen für ihre Frauen. Nur in den Darstellungen der Maria nutzen sie ebenfalls die Erotik. Für Sirani war es wohl schwerer bei einem so traditionsreichen Thema, wie der Darstellung der Maria auf die Erotik als Darstellungsmittel zu verzichten, als bei den Abbildungen der antiken Heldinnen. [4]
Sirani gilt als die erste Frau in Bologna die sich auf Historienmalerei spezialisierte, dennoch hatte sie ein weit gefächertes Repertoire. Das reichte von religiösen Themen, die etwa vierzig Prozent ihres gesamten Oeuvres einnahmen, bis zu den Darstellungen antiker Historien, die besonders bei den Mäzenen der Zeit beliebt waren, über klassische und mythologische Darstellungen. [5]

 

[1] Schaser, Angelika. „Frauenbewegung in Deutschland 1848-1933“ in: Geschichte Kompakt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006. S. 23-37.
Herber, Anne-Kathrin. „Frauen an deutschen Kunstakademien im 20. Jahrhundert. Ausbildungsmöglichkeiten für Künstlerinnen ab 1919 unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Kunstakademien“, 2009, Diss. Phil. Heidelberg.

[2] Babette Bohn. „The antique heroines of Elisabetta Sirani“ in: Renaissance Studies, 16, 1, (2002), S. 55.
Siehe Michelangelo Gualandi, Elisabetta Sirani Pittrice, Bologna 1853. Cheney schrieb in ihrem Aufsatz, dass Sirani Reni assistierte und Werke Renis wurden fälschlicherweise Sirani zugeordnet, aufgrund einer falschen Chronologie. Die Bilder wurden 1640 gemalt, zu diesem Zeitpunkt war Sirani erst zwei Jahre alt. Liana De Girolami Cheney, Alicia Craig Faxon, und Kathleen Lucey Russo, Self-portraits by Women Painters (Aldershot, 2000), 79-80.

[3] Golahny, Amy. „Elisabetta Sirani´s Timoclea and visual precedent“, in: Notes in the History of Art, 30, 4 (2011), S. 41.

[4] Babette Bohn. „The antique heroines of Elisabetta Sirani“ in: Renaissance Studies, 2002, S. 55-56.

[5] Ebd. S. 55, 59-60.

Elisabetta Sirani, Kleopatra, um 1664, Öl auf Leinwand, 110 x 91 cm, Michigan, Flint Institute of Art

Elisabetta Sirani, Judith mit dem Kopf des Holofernes, um 1665, Öl auf Leinwand, Illinois, Lakeview Museum of Arts and Sciences

Elisabetta Sirani, Portia verwundet sich am Oberschenkel (um ihre Leidensfähigkeit zu prüfen), 1664, Öl auf Leinwand, 101 x 138 cm, Privatsammlung

Literaturverzeichnis

Babette Bohn. „The antique heroines of Elisabetta Sirani“ in: Renaissance Studies, 16, 1, (2002).

Babette Bohn, „The construction of artistic reputation in Seicento Bologna: Guido Reni and the Sirani”, in: Renaissance Studies, 25, 4 (2011).

Golahny, Amy. „Elisabetta Sirani´s Timoclea and visual precedent“, in: Notes in the History of Art, 30, 4 (2011).

Harris, Ann Sutherland „Artemisia Gentileschi and Elisabetta Sirani: Rivals or Strangers?”, in: Woman’s Art Journal, 31, 1 (2010), S. 7, Puglisi. 2014.

Herber, Anne-Kathrin. „Frauen an deutschen Kunstakademien im 20. Jahrhundert. Ausbildungsmöglichkeiten für Künstlerinnen ab 1919 unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Kunstakademien“, 2009, Diss. Phil. Heidelberg.

Puglisi, Catherine R., Rezension von: Adelina Modesti, „Elisabetta Sirani ‘Virtuosa’: Women’s Cultural Production in Early Modern Bologna” in: Woman’s Art Journal, 37, 1 (2014).

Schaser, Angelika. „Frauenbewegung in Deutschland 1848-1933“ in: Geschichte Kompakt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006.

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: https://www.pexels.com/de-de/foto/flachfokus-fotografie-des-pinsels-102127/ (letzter Zugriff am 22.04.2021)

Abb.2: https://www.pexels.com/de-de/foto/foto-eines-traurigen-madchens-das-pinsel-halt-3778361/ (letzter Zugriff am 22.04.2021)

Abb.3: https://prometheus.uni-koeln.de/de/image/artemis-d5c42fbe656e0a2be27dfe4e81f264ae962aedf0 (letzter Zugriff am 21.04.2021)

Abb.4: https://www.pexels.com/de-de/foto/frauenmalerei-3094218/ (letzter Zugriff am 22.04.2021)

Abb.5: https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabetta_Sirani#/media/Datei:Sirani,_Elisabetta_-_Timoclea_uccide_il_capitano_di_Alessandro_Magno_-_1659.jpg (letzter Zugriff am 21.04.2021)

Abb.6: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Elisabetta_Sirani_-_Portia_wounding_her_thigh.jpg (letzter Zugriff am 22.04.2021)

Abb.7: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elisabetta_Sirani_-_Judith_with_the_Head_of_Holofernes_-_Walters_37253.jpg (letzter Zugriff am 22.04.2021)

Abb.8:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CleopatraE._SiraniAlex_Cavallucci_%22_Una_Cleopatra_di_Elisabetta_Sirani%22.tif?uselang=de (letzter Zugriff am 22.04.2021)

Video: https://www.youtube.com/watch?v=DDP0qBpuDr0 (letzter Zugriff am 20.04.2021)

Schreibe einen Kommentar