Malerinnen des 16. &17. Jahrhunderts – Drei Leben

Drei Künstlerinnen,
drei Leben,
ein Ziel: 
Kunst

Drei Biografien, die wahre Größe, Stärke und Weiblichkeit zeigen. Lest selbst!

Lavinia Fontana

Sofonisba Anguissola
Sofonisba Anguissola, Selbstbildnis, 1554, Öl auf Holz, 19,5 x 14,5 cm, Wien, Kunsthistorisches Museum; Bildnachweis: https://www.wikiart.org/en/sofonisba-anguissola/self-portrait-1554 (letzter Zugriff am 01.03.2021)

Sofonisba Anguissola wurde 1535 in eine Adelsfamilie in Cremona in Norditalien geboren. Sie wurde von ihren Eltern, Amilcare und Bianca erzogen und genoss eine humanistisch geprägte Ausbildung, was insofern von Bedeutung ist, als dass eine solche Ausbildung eigentlich nur männlichen Familienmitgliedern vorbehalten war. Ihr künstlerisches Studium absolvierte Sofonisba Anguissola bereits ab ihrem elften Lebensjahr bei Bernardino Campo und Bernadino Gatti. Gemanagt wurde sie von ihrem Vater, der sich immer bemüht zeigte ihr neue Aufträge zu verschaffen.

Sofonisba Anguissola malte hauptsächlich Selbstporträts, quasi das Selfie der Frühen Neuzeit. Sie fiel dadurch besonders auf, fertigte sie doch mehr Selbstbildnisse als die meisten ihrer Kollegen und Kolleginnen. Das Besondere an ihren Malereien ist die Art und Weise, wie sie ihre Motive in Szene setzte. Durch ihre scharfe Beobachtungsgabe und einem Gefühl für Bescheidenheit fand Sofonisba Anguissola zu einem ganz eigenen Stil. Sie ließ die Gefühle sowie den Ausdruck der porträtierten Personen zum Leitmotiv in ihren Bildern werden, um den jeweiligen Charakter widerspiegeln zu können.

Schnell erregte Sofonisba Anguissola das Interesse des spanischen Königs-hauses. Sie wurde an den Hof bestellt und war fortan im Dienst der spanischen Königin eingespannt. Leider hatte sie deswegen nicht mehr viel Zeit für ihre eigenen Studien und Projekte, sodass sie ihren individuellen Stil nicht mehr weiterentwickeln konnte. Allmählich erlosch ihre Inspiration. Wer weiß, wohin ihre Reise noch geführt hätte, wäre sie nicht an den Hof gegangen. Die Tätigkeit am Hofe führte übrigens auch dazu, dass ihr einige ihrer Werke erst in diesem Jahrhundert zugeschrieben wurden. Höfische Porträts sind zumeist nicht signiert worden.

Lavinia Fontana

Lavinia Fontana
Lavinia Fontana, Selbstbildnis am Klavier mit Dienstmagd, 1577, Öl auf Leinwand, 27 x 24 cm, Rom, Accademia Nazionale di San Luca; Bildnachweis: https://www.wikiart.org/de/lavinia-fontana (letzter Zugriff am 01.03.2021)

Lavinia Fontana wurde 1552 in Bologna geboren. Sie hatte eine andere Ausgangssituation: Ihr Vater Prospero Fontana war Maler und besaß eine eigenen Werkstatt. Zudem war er Meister der Goldschmiedezunft. Er wollte, dass seine Tochter seine Malerwerkstatt weiter führte und bildete sie daher aus. Die Zünfte spielten in Bologna eine zentrale Rolle, denn jeder Bürger, ob adelig oder nicht, gehörte einer Zunft an. Sie waren für die italienische Gesellschaft besonders wichtig, um Austausch und „Networking“ zu fördern. Durch den Austausch und die Initiative, die Prospero Fontana ergriff, indem er Werbung für seine Tochter machte, wurde sogar der päpstliche Hof auf die begabte Lavinia Fontana aufmerksam. Papst Gregor XIII. stellte sich als großer Bewunderer Lavinia Fontanas heraus.

Als sie im heiratsfähigen Alter war, wurde sie mit dem Künstler Gian Paolo Zappi vermählt. Ungewöhnlicherweise unterzeichnete dieser einen sehr un-typischen Ehevertrag, in dem die Rollenverteilung klar geregelt war. So schmiss er fortan den Hauhalt, während Lavinia Fontana mit ihrer Kunst das Geld verdiente. Er unterstützte sie darüber hinaus bei der Vermarktung und verkaufte ihre Werke gewinnbringend.

Lavinia Fontana gilt als die erste Künstlerin der Geschichte, die weibliche Akte schuf, wie zum Beispiel Mars und Venus; leider tat sie dies jedoch nur im Verborgenen.

Artemisia Gentileschi

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Artemisia Gentileschi, Selbstbildnis, um 1630, Öl auf Leinwand, 98 x 74,5 cm, Rom, Palazzo Barberini; Bildnachweis: https://en.wikipedia.org/wiki/Self-Portrait_(Artemisia_Gentileschi)#/media/File:Gentileschi-autoretratBarberini.jpg (letzter Zugriff am 01.03.2021)

Artemisia Gentileschi wurde 1593 in Rom geboren und wuchs zusammen mit ihren Brüdern beim Vater, dem Maler Orazio Gentileschi auf. Sie stand ihm oft Modell und half ihm bei der Arbeit in der Maler-werkstatt. Dabei stellte sich schnell heraus, dass auch sie Talent zum Malen hatte, woraufhin sie von ihm ausgebildet wurde, zunächst im Zeichnen. 

Während ihre ersten malerischen Versuche noch als Werke des Vaters ausgegeben wurden, trat sie bereits im Alter von 17 Jahren mit ihrem berühmten Gemälde Susanna und die Älteren in die Öffentlichkeit, das sie stolz signierte. Insbesondere die Armhaltung Susannas lässt vermuten, dass sich Artemisia Gentileschi auch außerhalb des väterlichen Betriebs mit der Kunst ihrer Heimatstadt auseinandersetzte. Die Abwehrhaltung weist deutliche Bezüge, wenn auch seitenverkehrt, zu Michelangelos Adam bei der Vertreibung aus dem Paradies in der Sixtinischen Kapelle auf.

Tragischerweise wurde ihre Karriere von einem öffentlichen Gerichtsprozess ihrer Vergewaltigung durch den Künstlerkollegen Agostino Tassi überschattet, der sie im perspektivischen Zeichnen unterrichtet haben soll. 

Nach dem Skandal ging Artemisia Gentileschi nach Florenz, um sich ein neues Leben aufzubauen. Dort trat sie am 19. Juli 1616 als erstes weibliches Mitglied der Accademia dell’Arti del Disegno bei. Sie erhielt Auftragsarbeiten von der einflussreichen Familie der Medici und wirkte an der Ausschmückung der Casa Buonarroti mit. Von ihr stammt die einen Kompass haltende weib-liche Allegorie des Natürlichen Talents. Artemisia Gentileschi malte diese Figur komplett nackt – eine Darstellungsweise, für die sie retrospektiv sehr geschätzt wird. Sie gilt als diejenige Künstlerin, die die ersten öffentlichen Aktbilder schuf. Bei ihren Zeitgenossen kam die Freizügigkeit nicht so gut an. Aus „Keuschheitsgründen“ wurde der Allegorie im Auftrag der Nachkommen der Familie Buonarroti ein Tuch umgelegt.

Literaturverzeichnis

https://artinwords.de/artemisia-gentileschi/ (letzter Zugriff am 01.03.2021).

https://artinwords.de/lavinia-fontana/ (letzter Zugriff am 01.03.2021).

https://artinwords.de/sofonisba-anguissola/ (letzter Zugriff am 01.03.2021).

Germaine Greer, Das unterdrückte Talent. Die Rolle der Frau in der Bildenden Kunst, Berlin/ Frankfurt am Main/ Wien 1980.

Dagmar Lutz, Artemisia Gentileschi. Leben und Werk, Stuttgart 2011. 

Caroline Murphy, Lavinia Fontana. A Painter and her Patrons in Sixteenth-Century Bologna, New Haven 2003.

Susanna Stolzenwald, Artemisia Gentileschi. Bindung und Befreiung in Ebene und Werk einer Malerin, Stuttgart/ Zürich 1991.

Christiane Strunk, „Künstlerinnen. Weibliche Karrierestrategien an den Höfen der Frühen Neuzeit“, in: Künstlerinnen. Neue Perspektiven auf ein Forschungsfeld der Vormoderne (Kunsthistorisches Forum Irsee, Bd. 4), hg. v. Birgit Ulrike Münch, Andreas Tacke, Markwart Herzog u. Sylvia Herdecke, Petersberg 2017, S. 20–37.

 

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