Biografie – Caroline Louise Seidler

Caroline Louise Seidler

Eine kurze Biografie

Caroline Louise Seidler, am 15. Mai 1786 in Jena geboren, war eine Malerin am Hofe des Großherzogs von Weimar und Vertraute Johann Wolfgang von Goethes. [1]

Louise Seidler entstammt einer in höfischen Diensten stehenden Familie. Ihr Vater war Oberstallmeister an der Universität. Damit ergaben sich für Louise günstige Voraussetzungen für den Zugang zu einem Personenkreis, der für ihre spätere Karriere förderlich sein sollte. [2] Als kleines Mädchen geben ihre Eltern sie in die Obhut der Großmutter. Dieser Einschnitt soll sich als wegweisend herausstellen: Louise erhält auf ihre Initiative erstmals Mal- und Zeichenunterricht. [3] Später hatte sie vollberechtigt Zugang zu hochstehenden Kreisen wie Goethe, Schiller, Fichte, Hegel und den Brüdern Humboldt. Johann Wolfgang von Goethe war es auch der sie immer unterstützte und förderte. [4]

[1] Bolm 1881, S. 184

[2] Rodenberg 1874, S. 816

[3] Uhde 1874, S. 5

[4] Jordan 2009, S. 109

In Dresden besuchte sie die Kunstgalerie und fasste dort den Entschluss, Malerin zu werden. Es wurde schnell deutlich, dass sie talentiert und überaus fähig war. Auf ihre Leistungen wurde auch Johann Wolfgang von Goethe aufmerksam und ihre Gemälde gefielen ihm so gut, dass er sie bat ein Porträt von ihm zu malen. Dieses Bildnis ist vielleicht das bekannteste von Louise Seidler. Und auch Goethe zeigte sich sehr zufrieden. [1] Es entwickelt sich ein lebhafter Briefwechsel zwischen den Beiden. [2]

[1] Uhde 2012, S. 237

[2] Von Biedermann 1875, S. 27

Abb. 1.: Georg Friedrich Kersting, Die Stickerin, 1817, Öl Tafelbild, 47,2x36,3 cmWarschau,, Nationalmuseum Warschau

Es folgten Aufträge von Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg in Gotha und weitere Arbeiten mit wechselnden Aufenthalten. [1] Mit der Fürsprache Goethes erhielt sie 1817 ein Stipendium, um sich in München fortzubilden. [2] Ein Jahr darauf begab sich Caroline Louise Seidler auf die Reise nach Italien. In ihren Aufzeichnungen schwärmte sie von Italien und nannte diese Zeit in Italien als die glücklichste in ihrem Leben. [3]

Durch eine weitere Empfehlung von Goethe beauftragte Herzog Karl Friedrich Seidler damit, seinen Töchtern Mal- und Zeichenunterricht zu geben. [4] Noch im gleichen Jahr, 1824, wurde sie zur Kustodin berufen und ihr die Aufsicht und Verwaltung der öffentlichen Großherzoglichen Gemäldegalerie übertragen. Sie war damit die erste Frau in diesem Amt. 1837 erhält sie den Titel Großherzoglich-Sächsische Hofmalerin. [5]

Durch eine schnell fortschreitende Alterserblindung musste sie unfreiwillig auf das Malen und Zeichnen verzichten. Damit verbunden war auch der Rückzug aus dem öffentlichen Leben. Ihre Lebenserinnerungen „Erinnerungen aus dem Leben der Malerin Louise Seidler“, die sie in ihren letzten Jahren diktierte, sind der Nachwelt überliefert. Louise Seidler starb am 7. Oktober 1866 in Weimar. Ihr künstlerische Hinterlassenschaft ist umfangreich: fast 200 Gemälde und mehr als 500 Zeichnungen wurden ihr nachgewiesen. Leider sind viele Gemälde zerstört, verschollen oder in unbekanntem Privatbesitz. [6]

[1] Uhde 1874, S. 90

[2] Uhde 1874, S. 165

[3] Guhl 1858, S. 287

[4] Seubert 1879, S. 294

[5] Wild/Lutz/ Jeßing 2016, S. 396

[6] Thüringer Naturbrief (Stand: 14.02.21)

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kersting_-_Die_Stickerin_-_2._Fassung.jpg (letzter Zugriff am 15.01.2021)

Literaturverzeichnis:

Baier, Uta: Länderporträt Thüringen: Nazarenerin, Hofmalerin, Kustodin, gefunden auf: www.kulturstiftung.de/nazarenerin-hofmalerin-kustodin (letzter Zugriff am 14.02.21)

Bolm 1881: Bolm, August (Hg.), H. Preiß: Tagebuch der Geschichte und Biographie über alle wichtigen Ereignisse und Persönlichkeiten für alle Tage des Jahres: von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Berlin 1881.

Guhl 1858: Guhl, Ernst Karl: Die Frauen in der Kunstgeschichte, Berlin 1858.

Jordan 2009: ordan, Lothar (Hg.): Kleist als Dramatiker, Aufführungsgeschichte und Aufführungspraxis, Kleist und Dresden, Werk, Kontext und Umgebung Band 21, Frankfurt (Oder) 2009.

Rodenberg 1974: Rodenberg, Julius: “Der” Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft, Band 2, Leipzig 1874.

Schleif 1965: Schleif, Walter: Goethes Diener, Band 17 von Beiträge zur deutschen Klassik, Berlin und Weimar 1965.

Seubert 1879: Seubert, Adolf Friedrich: Allgemeines Künstlerlexicon, oder, Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler, Band 3, Stuttgart 1879.

Thüringer Naturbrief, 22.02.2017, URL: www.thueringer-naturbrief.de/content/view/5081/88/ (letzter Zugriff am 15.02.21)

Uhde 1874: Uhde Hermann (Hg.): Seidler, Louise Caroline Sophie: Erinnerungen und Leben der Malerin Louise Seidler (geboren zu Jena 1786, gestorben zu Weimar 1866), Berlin 1874.

Uhde 2012: Uhde, Hermann: Seidler, Louise: Erinnerungen der Malerin Louise Seidler, Рипол Классик, 2012.

Von Biedermann 1875: Von Biedermann, Woldemar: Goethe und Dresden, Berlin 1875.

Wild 2016: Wild, Inge; Lutz, Bernd; Jeßing, Benedikt: Metzler Goethe Lexikon: Personen – Sachen – Begriffe, Stuttgart 2016.

 

 

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